Prämienbrief 2027 ist da: 38 Franken mehr pro Monat für unsere Familie. Warum schon wieder?

Karin H. 07.10.2026, 07:52 139 Aufrufe 10 Antworten
Karin H.
07.10.2026, 07:52

Heute Morgen lag der Brief meiner Krankenkasse im Briefkasten, und ich musste mich zuerst einmal hinsetzen. Wir sind eine vierköpfige Familie aus Olten, zwei Kinder im Primarschulalter, mein Mann und ich beide mit Franchise 1'500 im Hausarztmodell. Für 2027 zahlen wir zusammen 38 Franken mehr pro Monat, also gut 450 Franken im Jahr. Allein meine eigene Prämie steigt von 441 auf 468 Franken.

Im Vorfeld hiess es ja überall, die Prämien würden im Schnitt um etwa 4,5 bis 5 Prozent steigen. Bei uns sind es jetzt über 6 Prozent. Eine Arbeitskollegin hat sogar knapp 20 Prozent Aufschlag, obwohl sie bei einer ganz anderen Kasse ist. Mich ärgert vor allem, dass wir kaum Leistungen beziehen. Die Kinder waren dieses Jahr zweimal beim Kinderarzt, ich einmal zur Kontrolle, und das war es dann auch schon.

Was ich nicht ganz verstehe: Seit Jahren wird von Sparmassnahmen gesprochen, und trotzdem geht es jeden Herbst nach oben. Liegt das an den Spitälern, an den Medikamenten oder an uns allen, weil wir zu schnell zum Arzt gehen? Ich möchte einfach nachvollziehen können, wofür ich eigentlich zahle, bevor ich mich über einen Wechsel oder eine andere Franchise informiere.

Mein Mann meint, wir sollen einfach die günstigste Kasse nehmen und fertig. Ich bin da vorsichtiger, weil ich nicht wegen 20 Franken Unterschied bei einer Kasse landen will, bei der man dann ewig auf Rückerstattungen wartet.

Was ich von euch gerne wissen würde:

  • Welche Bereiche treiben die Kosten im Moment am stärksten nach oben?
  • Bis wann muss ich spätestens reagieren, wenn ich die Grundversicherung wechseln will?
  • Ist der Aufschlag bei euch ähnlich hoch, und in welcher Region wohnt ihr?
  • Lohnt es sich als Familie überhaupt, jedes Jahr neu zu vergleichen?
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10 Antworten

Andreas M.
67 Punkte

Ich arbeite in der Branche, deshalb ein paar Hintergründe, ganz ohne Werbung für irgendwen. Die Prämien folgen den Kosten, meistens mit etwas Verzögerung. Die Gesundheitskosten sind 2025 um 5,2 Prozent gestiegen, das sind rund 247 Franken pro Person. Spannend ist, woher das Wachstum kommt: Die Pflege zu Hause über die Spitex hat um 14 bis 15 Prozent zugelegt, die Psychotherapie um 10 bis 11 Prozent, die Physiotherapie um etwa 7 Prozent. Die ambulanten Arztbehandlungen liegen bei 6 bis 7 Prozent, das Labor bei rund 6 und die Apotheken bei etwa 5 Prozent. Die Spitalaufenthalte, auf die alle zuerst zeigen, sind mit 2 bis 3 Prozent vergleichsweise moderat gewachsen. Vieles davon ist politisch gewollt, weil mehr ambulant und zu Hause behandelt werden soll. Nur bezahlt das Ambulante heute allein die Prämie, während sich Kasse und Kanton das Stationäre teilen. Deshalb spürt man die Verlagerung direkt im Portemonnaie.

Nicole G.
50 Punkte

Bei uns in Winterthur sind es 29 Franken mehr für zwei Erwachsene. Nicht ganz so heftig, erfreulich ist es trotzdem nicht.

Marco B.
55 Punkte

Zu den Fristen: Die Kasse muss die neue Prämie bis Ende Oktober mitteilen, das ist bei dir ja schon passiert. Die Grundversicherung kannst du dann auf Ende Jahr kündigen, wobei die Kündigung bis am 30. November bei der Kasse eingetroffen sein muss. Der Poststempel reicht nicht. Ich schicke meine jeweils eingeschrieben und spätestens in der ersten Novemberwoche ab.

Sabrina W.
42 Punkte

Ich finde es etwas zu einfach, die Schuld bei der Spitex und der Psychotherapie abzuladen. Das sind Leistungen, die Menschen wirklich brauchen, und wenn jemand dank Spitex zu Hause bleiben kann statt ins Heim zu müssen, ist das unter dem Strich oft sogar günstiger. Das eigentliche Problem sehe ich eher darin, dass wir mit Kopfprämien finanzieren und eine Familie mit mittlerem Einkommen pro Kopf gleich viel zahlt wie ein Topverdiener. Bei uns in der Romandie wird darüber schon lange gestritten.

Andrea Z.
55 Punkte

@Karin habt ihr schon geprüft, ob ihr Anspruch auf Prämienverbilligung habt? Mit zwei Kindern liegt man manchmal knapp drin, ohne es zu wissen.

Markus B.
62 Punkte

Zur Einordnung ein paar Zahlen: 2026 lag die durchschnittliche Monatsprämie über alle Altersgruppen bei 393.30 Franken, für Erwachsene bei 465.30 Franken. Mit 441 Franken liegst du also eher leicht darunter, was vermutlich an Franchise und Hausarztmodell liegt. Allerdings sagt so ein Durchschnitt für den Einzelnen wenig aus, weil die Unterschiede zwischen den Kantonen riesig sind. Ich wohne in Schaffhausen, mein Bruder in Basel, und er zahlt für ein praktisch identisches Modell über 100 Franken mehr im Monat als ich.

Was mich zusätzlich beschäftigt: Ich arbeite in der Pharmalogistik, und bei uns ist die amerikanische Preispolitik für Medikamente ein grosses Thema. Wenn die Hersteller in den USA tiefere Preise akzeptieren müssen, versuchen sie das womöglich in anderen Ländern auszugleichen, auch bei uns. Ob und wie stark das irgendwann auf die Prämien durchschlägt, kann heute niemand seriös sagen. Es ist aber ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für die nächsten Jahre.

Lukas M.
45 Punkte

Vergleichen lohnt sich meiner Erfahrung nach jedes Jahr, gerade mit Kindern. Wir haben letztes Jahr gewechselt und sparen seither rund 70 Franken im Monat. Beim Service habe ich keinen Unterschied gemerkt, die Rückerstattungen kommen genauso schnell. In der Grundversicherung sind die Leistungen ja ohnehin überall gesetzlich gleich.

Simone L.
53 Punkte

@Nicole da bist du mit 29 Franken für zwei Personen noch fast gut weggekommen. Bei mir allein sind es 34.

Karin H.
48 Punkte

Vielen Dank euch allen, das hilft mir sehr weiter. @Andreas die Aufschlüsselung nach Bereichen war für mich am wertvollsten, jetzt verstehe ich, warum die Spitäler allein nicht die Erklärung sind. @Andrea wir liegen leider knapp über der Grenze, ich habe auf der Gemeinde nachgefragt. Gestern Abend haben wir dann verglichen: Im gleichen Modell wären wir bei einer anderen Kasse 52 Franken pro Monat günstiger als mit der neuen Prämie. Die Kündigung geht nächste Woche eingeschrieben raus, damit sie sicher vor dem 30. November ankommt. Die Zusatzversicherungen lassen wir, wo sie sind.

Claudia B.
70 Punkte

Noch eine Ergänzung aus meiner Sicht: Als Diabetikerin erlebe ich diese Diskussion etwas anders. Ich bin froh um jede Therapie, die es gibt, und wechsle trotzdem, wenn es sich lohnt. In der Grundversicherung geht das ohne Gesundheitsfragen, das wissen erstaunlich viele nicht. Viel Erfolg beim Wechsel, Karin.

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