Wieviel von meiner Prämie geht eigentlich in Verwaltung, Löhne und Werbung?

Sandra K. 25.07.2026, 16:40 64 Aufrufe 6 Antworten
Sandra K.
25.07.2026, 16:40

Ich habe diese Woche meinen Prämienzettel für nächstes Jahr bekommen und mich wieder mal gefragt: Wie viel von dem, was ich jeden Monat überweise, kommt eigentlich wirklich bei der Gesundheit an? Also bei Arzt, Spital, Medikamenten – und wie viel versickert vorher in Verwaltung, Marketing, Löhnen und Vermittlerprovisionen?

Hintergrund meiner Frage: Es geistern ja immer wieder Zahlen von happigen Kaderlöhnen herum. Da liest man von Generalagenten, die in einem guten Jahr gegen 700'000 Franken nach Hause tragen, oder von Geschäftsführern bei knapp einer Million. Das sind Summen, die mehr sind als ein Bundesrat verdient. Mein erster Reflex ist Empörung – aber ich will ehrlich sein: Ich weiss gar nicht, ob diese Löhne überhaupt aus meiner Grundversicherungsprämie bezahlt werden oder ob das ein anderer Topf ist.

Mir geht es deshalb weniger um ein einzelnes Gehalt, das einen aufregt, sondern um das grosse Ganze: die Aufteilung der Prämie. Mir ist klar, dass ein Teil immer für die Organisation draufgeht – jede Kasse muss Rechnungen prüfen, Personal bezahlen, IT betreiben. Die Frage ist nur, wie gross dieser Teil ist und ob er gerechtfertigt ist.

Und dann ist da noch das Thema Werbung und Vermittler. Jeden Herbst klingelt das Telefon, irgendwelche Callcenter wollen mir eine neue Kasse aufschwatzen. Das kostet ja auch alles Geld – und am Ende zahle ich es als Prämienzahler mit.

Darum ein paar konkrete Fragen an euch:

  • Weiss jemand, wie hoch die Verwaltungskostenquote in der Grundversicherung wirklich ist – also welcher Prozentsatz der Prämie nicht in Leistungen geht?
  • Stimmt es, dass die Kaderlöhne und die hohen Provisionen eher mit der Zusatzversicherung zu tun haben als mit der Grundversicherung?
  • Was kostet eigentlich dieser ganze Werbe- und Vermittlerzirkus pro Jahr, und gibt es da inzwischen Regeln?
  • Bringt ein Kassenwechsel überhaupt etwas, oder bezahle ich nur die Provision des nächsten Vermittlers mit?
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6 Antworten

Lukas M.
45 Punkte

Gute Frage, und ich finde es stark, dass du es differenziert anschaust statt nur draufzuhauen. Zur Verwaltungskostenquote: In der Grundversicherung (KVG) liegt die tatsächlich erstaunlich tief, im Schnitt etwa bei 5 Prozent. Heisst: Von 100 Franken Prämie gehen rund 95 in Leistungen – Ärzte, Spitäler, Medikamente. Das sagt das BAG jedes Jahr in seinen Zahlen.

Die Grundversicherung ist nämlich ein streng reguliertes Geschäft. Die Kassen dürfen dort gar keinen Gewinn machen, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die fetten Margen, von denen alle reden, stecken anderswo.

Daniel S.
30 Punkte

@Lukas hat es im Kern schon gesagt. Ich arbeite am Rand der Branche und kann ergänzen: In der Grundversicherung ist die Vermittlerprovision fix gedeckelt – rund 70 Franken pro Vertrag, einmalig. Damit verdient niemand 700'000 Franken im Jahr. Die wirklich grossen Zahlen entstehen bei den Zusatzversicherungen, und das ist ein komplett anderes Spiel.

Nicole G.
50 Punkte

Mich nervt vor allem der Telefonterror im Herbst. Jedes Jahr das gleiche, drei bis vier Anrufe pro Woche von irgendwelchen Callcentern. Und mir war nie klar, dass ich das am Schluss bezahle. Wenn jeder abgeschlossene Zusatzvertrag dem Vermittler so viel einbringt, ist mir jetzt schlagartig klar, warum die so penetrant sind.

Daniel S.
30 Punkte

@Nicole genau da liegts. Bei den Zusatzversicherungen sind laut der vom Bundesrat genehmigten Branchenvereinbarung Provisionen von bis zu 16 Monatsprämien pro Abschluss üblich. Rechne das mal an einer Halbprivat- oder Privatspitalversicherung durch, da kommen pro Vertrag schnell mehrere Tausend Franken zusammen. Wer in seinem privaten Umfeld viele solche Verträge vermittelt, kommt eben auf diese Spitzenzahlen.

René M.
75 Punkte

Das ist genau der Punkt, der mich stört. 16 Monatsprämien sind als Obergrenze festgelegt – aber in der Praxis wird das zum Standard, nicht zur Ausnahme. Die guten Vermittler arbeiten logischerweise für die Kasse mit den höchsten Provisionen. Also kann es sich keine Kasse leisten, tiefer zu gehen. Ein schöner Wettbewerb nach oben, schön blöd für uns Prämienzahler.

Sandra K.
60 Punkte

Danke euch, das ordnet die Sache für mich schon viel besser ein. Also nochmal zum Verständnis: Die Empörung über die 700'000 Franken ist im Grunde an der falschen Adresse, wenn man auf die Grundversicherung schimpft. Das Geld kommt aus dem Zusatzgeschäft. Aber dort zahle ich es ja trotzdem – nur halt freiwillig, wenn ich eine Zusatzversicherung habe.

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