Säule 3a bei einer Versicherung oder bei der Bank? Eure Erfahrungen

Markus B. 20.09.2026, 12:55 168 Aufrufe 10 Antworten
Markus B.
20.09.2026, 12:55

Hallo zusammen. Ich beschäftige mich gerade ernsthaft mit der dritten Säule und stehe vor der klassischen Grundsatzfrage, die hier sicher schon einige durchgekaut haben: 3a bei einer Versicherung oder lieber bei der Bank beziehungsweise über eine 3a-App?

Die Versicherung verkauft mir eine gebundene Police, bei der Sparen und Versicherungsschutz (Erwerbsunfähigkeit, Todesfall) kombiniert sind. Klingt erstmal nach einem Rundum-sorglos-Paket. Auf der anderen Seite höre ich von vielen, dass eine reine 3a-Banklösung oder eine Wertschriften-App wie VIAC, frankly oder finpension flexibler und renditestärker sei.

Mich beschäftigt vor allem die Flexibilität bei Geldknappheit. Bei der Bank zahle ich einfach mal nicht ein, wenn es eng wird, und gut ist. Bei der Versicherung gibt es ja diese Prämienpause, aber das tönt schon komplizierter und nach Strafe. Den Steuerabzug nutze ich so oder so, das ist mir klar.

Was mich noch zurückhält ist diese Bindung bis zur Pensionierung. Bei einer Police bin ich ja faktisch über Jahrzehnte gebunden. Bevor ich da etwas unterschreibe, würde ich gerne von euch echte Erfahrungen hören:

  • Habt ihr eure 3a bei einer Versicherung oder bei der Bank, und warum?
  • Wie flexibel seid ihr wirklich, wenn es finanziell mal eng wird?
  • Wie gross ist der Renditeunterschied bei euch über die Jahre tatsächlich?
  • Gibt es Situationen, in denen sich eine Versicherungslösung wirklich lohnt?
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10 Antworten

René M.
75 Punkte

Ganz klar Bank beziehungsweise Wertschriften-App. Ich bin bei VIAC mit einem hohen Aktienanteil und habe das nie bereut. Die Police bei der Versicherung ist eine Kombination aus Sparen und Versicherung, und genau das ist das Problem: du zahlst für den Versicherungsteil ordentlich Gebühren, die deine Rendite auffressen. Wenn du Risikoschutz brauchst, schliess eine reine Risikoversicherung ab und spar die 3a separat. Das ist fast immer günstiger.

Lukas M.
45 Punkte

Ich kann von der Versicherungs-3a leider nur abraten und spreche aus eigener, teurer Erfahrung. Habe vor Jahren bei einem Berater eine gebundene Police unterschrieben, schön mit allem drum und dran. Als ich dann beruflich kürzergetreten bin und das Geld knapp wurde, war die Prämienpause alles andere als unkompliziert. Und der Rückkaufswert in den ersten Jahren war ein Witz, da steckt fast alles in Abschlusskosten. Hätte ich damals einfach ein Bank-3a-Konto gehabt, hätte ich in dem Jahr halt nichts einbezahlt und fertig.

Sabrina W.
42 Punkte

@Markus genau dieser Punkt mit der Flexibilität war für mich entscheidend. Bei der Bank entscheide ich jedes Jahr neu, ob und wie viel ich einzahle. Letztes Jahr hatte ich eine grössere Steuerrechnung und habe einfach nur die Hälfte einbezahlt, ohne dass mich jemand gefragt hat. Bei einer Police mit fixer Prämie hätte ich Stress gehabt.

Patrick W.
40 Punkte

Ich bin bei finpension und nutze die volle Aktienquote. Über die letzten Jahre lag meine Rendite deutlich über dem, was eine gebundene Police je versprochen hat. Klar, Wertschriften schwanken, aber bis zur Pensionierung habe ich noch über zwanzig Jahre, da relativiert sich das. Der garantierte Zins bei vielen Versicherungspolicen ist heute praktisch null, das muss man sich auch mal bewusst machen.

Andreas M.
67 Punkte

Ich arbeite in der Beratung und möchte hier etwas differenzieren, weil die Stimmung sehr stark Richtung Bank kippt. Für die allermeisten, die diszipliniert selber sparen und einen langen Anlagehorizont haben, ist eine Wertschriften-3a über VIAC, frankly oder finpension tatsächlich die bessere Wahl. Tiefere Kosten, volle Flexibilität, höhere erwartete Rendite. Punkt.

Eine Versicherungslösung kann sich aber lohnen, wenn zwei Dinge zusammenkommen: erstens, du brauchst zwingend einen Erwerbsunfähigkeits- oder Todesfallschutz (zum Beispiel als Familienernährer oder bei einer Hypothek), und zweitens, du bist ehrlich zu dir selbst und weisst, dass du sonst nicht konsequent sparst. Der Spardruck einer fixen Prämie ist für manche tatsächlich ein Vorteil. Aber bitte: lasst euch die Abschlusskosten und den Rückkaufswert für die ersten Jahre schriftlich zeigen, bevor ihr unterschreibt.

Stefan H.
35 Punkte

@Andreas guter Beitrag, das mit dem Spardruck ist ein fairer Punkt. Ich kenne durchaus Leute, die ohne fixe Prämie schlicht nie etwas auf die Seite legen würden. Für die ist eine Police vielleicht das kleinere Übel. Bei mir wäre es aber eher umgekehrt, ich will die Kontrolle behalten.

Eva F.
38 Punkte

Ein Aspekt, der hier noch fehlt: Mit einer Bank- oder Wertschriften-3a kannst du auch problemlos mehrere Konten führen und dir später gestaffelt auszahlen lassen, um Steuern zu sparen. Bei einer Police bist du da meist viel starrer. Das hat mir damals niemand erklärt, ich habe es zum Glück selber gemerkt, bevor ich etwas unterschrieben habe.

Andrea Z.
55 Punkte

Wir hatten lange eine Police bei der Swiss Life und sind letztes Jahr ausgestiegen, weil die Rendite einfach enttäuschend war und wir bei jeder finanziellen Engstelle das Gefühl hatten, in einem Korsett zu stecken. Der Wechsel auf eine Banklösung hat etwas Papierkram bedacht, aber rückblickend hätten wir gar nicht erst eine Police abschliessen sollen. Wer noch nicht unterschrieben hat: gut überlegen.

Laura B.
44 Punkte

@Markus falls du den Schritt machst: ich bin von einem alten Bank-3a-Konto mit Mickerzins zu frankly gewechselt, das ging erstaunlich einfach. Wichtig ist nur, dass du innerhalb der gebundenen 3a überträgst und nicht aus Versehen auszahlst, sonst gibt es eine Steuerrechnung. Wenn du schon eine Police hast, ist der Ausstieg leider deutlich mühsamer und teurer, deshalb von Anfang an gut überlegen.

Markus B.
62 Punkte

Vielen Dank euch allen, das hilft mir enorm weiter. Mein Fazit nach euren Beiträgen: Ich werde den Versicherungsschutz und das Sparen trennen. Für die 3a nehme ich eine Wertschriftenlösung über eine App, wegen Flexibilität und Rendite, und den Risikoschutz prüfe ich separat als reine Risikoversicherung. Den Punkt mit dem Spardruck nehme ich mir zu Herzen, ich werde einen Dauerauftrag einrichten, damit es trotz Freiwilligkeit nicht untergeht. Danke @Andreas für die differenzierte Sicht und allen anderen für die ehrlichen Erfahrungen.

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