Trotz Geldsorgen in die Säule 3a einzahlen – oder zuerst Notgroschen?

René M. 09.07.2026, 21:05 87 Aufrufe 11 Antworten
René M.
09.07.2026, 21:05

Ich grüble seit Wochen über eine Frage und komme nicht weiter. Vielleicht geht es jemandem von euch ähnlich. Bei uns im Bekanntenkreis höre ich es ständig: Die Krankenkassenprämien steigen, die Steuern, die Wohnkosten – am Ende des Monats bleibt immer weniger übrig. Eine Kollegin hat mir kürzlich erzählt, dass ihr Budget vor allem von den Prämien aufgefressen wird, dann kommen Steuern und Wohnkosten, und der Rest sei nur noch Resterampe. Ich glaube, das ist heute eher die Regel als die Ausnahme.

Und genau hier beginnt mein Dilemma. Eigentlich weiss ich, dass die Säule 3a sinnvoll ist – Steuerabzug, Vorsorge, langfristig fürs Alter. Aber wenn man eh schon knapp über die Runden kommt und Monat für Monat überlegen muss, ob man sich unerwartete Ausgaben überhaupt leisten kann, dann fühlt es sich fast falsch an, Geld für 30 Jahre wegzusperren.

Ich habe Zahlen gesehen, dass fast zwei Drittel der Leute aktuell vor finanziellen Herausforderungen stehen – die einen vor grossen, die anderen vor eher kleinen, aber unterm Strich kämpfen viele. Und ein grosser Teil derer, die nicht investieren, sagt schlicht, sie hätten zu wenig Geld dafür. Das verstehe ich total.

Trotzdem frage ich mich: Ist es nicht gerade dann wichtig, überhaupt anzufangen, auch wenn es nur ein kleiner Betrag ist? Oder ist das eine Milchmädchenrechnung, wenn man dafür den Notgroschen vernachlässigt oder gar Schulden mitschleppt?

Konkret beschäftigt mich:

  • Lohnt sich ein Teilbetrag in die 3a überhaupt, oder erst wenn man den Maximalbetrag (rund 7100 Franken) packt?
  • Wie gewichtet ihr Steuerersparnis vs. Liquidität, wenn das Geld gebunden ist?
  • Notgroschen oder Schulden zuerst – oder beides parallel?
  • Macht ein 3a-Konto bei der Bank überhaupt noch Sinn, oder gleich VIAC/Frankly/finpension mit ETF?

Würde mich über ehrliche Erfahrungen freuen, gerade von Leuten mit knappem Budget. Danke euch.

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11 Antworten

Stefan H.
35 Punkte

Klare Reihenfolge bei mir, ganz pragmatisch: zuerst Schulden, dann Notgroschen, dann 3a. Wenn du noch teure Kredite oder Kreditkartenschulden hast, zahlst du dort schnell mal 8-12 Prozent Zins. Die Steuerersparnis in der 3a holt das nie rein. Erst wenn das weg ist und du drei bis sechs Monatslöhne als Reserve hast, würde ich überhaupt über die Säule 3a nachdenken.

Sandra K.
60 Punkte

Ich sehe es ein bisschen anders, René. Auf den perfekten Moment zu warten heisst oft, gar nie anzufangen. Ich zahle seit Jahren 100 Franken im Monat in die 3a, mehr liegt nicht drin, und es tut nicht weh. Klar wäre der Maximalbetrag schöner, aber 1200 im Jahr sind auch besser als null. Wichtig ist für mich der Notgroschen daneben – ohne den würde ich nicht einzahlen.

René M.
75 Punkte

@Sandra genau dieser Punkt mit «nie anfangen» geht mir auch durch den Kopf. Und @Stefan, Schulden zuerst leuchtet mir komplett ein. Ich habe zum Glück keine teuren Kredite, nur den Notgroschen finde ich halt mager. Vielleicht ist das parallele Vorgehen für mich der Mittelweg.

Patrick W.
40 Punkte

Zum Steuerthema: Man darf den Abzug nicht überschätzen, wenn das Einkommen tief ist. Bei einem kleinen steuerbaren Einkommen bringt dir der Abzug von 1000 Franken vielleicht 200-250 Franken Steuerersparnis, je nach Kanton. Das ist nett, aber kein Grund, sich krumm zu legen. Wer dagegen gut verdient und im hohen Grenzsteuersatz ist, für den lohnt sich die 3a viel stärker. Knappes Budget + tiefe Steuer = Notgroschen hat klar Vorrang.

Sabrina W.
42 Punkte

Genau das wollte ich auch sagen, Patrick. Der Steuerabzug ist bei tiefem Einkommen fast kein Argument. Liquidität ist Gold wert, wenn die Waschmaschine kaputt geht oder die Steuerrechnung höher ausfällt als gedacht.

Lukas M.
45 Punkte

Finanzfreak-Modus an :) Ich würde es so machen: Mini-Notgroschen von etwa 1000-2000 Franken aufbauen, dann teure Schulden killen, dann die Reserve auf drei Monatslöhne hochfahren, und erst dann in die 3a. Und wenn 3a, dann bei mir ganz klar über finpension oder VIAC mit hohem Aktienanteil statt das Bank-3a-Konto, das praktisch null Zins gibt. Über 20-30 Jahre macht der Unterschied zwischen Konto und ETF-Lösung ein Vermögen aus. Aber das ist Schritt zwei, nicht Schritt eins.

Eva F.
38 Punkte

Ich muss ehrlich sagen, ich gehöre zu denen, die lange gar nichts eingezahlt haben, weil das Geld einfach nicht da war. Bei mir frisst die Prämie einen riesigen Teil, danach Steuern und Miete – da bleibt wenig. Was bei mir den Knopf gelöst hat: Ich habe mit 50 Franken im Monat per Dauerauftrag angefangen, automatisch direkt nach dem Lohn. So merkt man es kaum und es ist trotzdem ein Anfang. Notgroschen baue ich parallel auf, einfach langsamer.

René M.
75 Punkte

@Eva danke, das hilft mir wirklich weiter. Genau die Angst hatte ich – dass 50 Franken «zu wenig zum Anfangen» sind. Aber wenn es automatisch läuft und parallel der Notgroschen wächst, klingt das machbar. @Lukas die Reihenfolge mit Mini-Notgroschen zuerst finde ich auch sehr einleuchtend.

Daniel S.
30 Punkte

Noch ein Praxispunkt, den oft vergessen wird: Geld in der 3a ist gebunden bis zur Pensionierung (Ausnahmen wie Wohneigentum, Selbständigkeit, Auswanderung). Wenn du also in einer wackligen Phase bist und nicht sicher bist, ob du das Geld nächstes Jahr brauchst, gehört es nicht in die 3a, sondern auf ein normales Sparkonto. Erst wenn die Basis steht, sperrst du Geld weg. Sonst musst du im Notfall teuer einen Kredit aufnehmen, obwohl dein Geld in der 3a liegt – das ist dann wirklich eine Milchmädchenrechnung.

Andrea Z.
55 Punkte

Zur Frage Bank vs. Versicherung: Finger weg von der gemischten 3a-Police bei der Versicherung, wenn du knapp bist. Die bindet dich über Jahre mit fixen Prämien, und wenn du mal nicht zahlen kannst, verlierst du. Ein 3a-Konto bei der Bank oder eine App-Lösung wie Frankly, VIAC oder finpension ist flexibel – du kannst einzahlen, wenn es geht, und pausieren, wenn es eng wird. Genau das, was man bei knappem Budget braucht.

René M.
75 Punkte

Vielen Dank an alle, das war extrem hilfreich. Mein Fazit für mich: kleiner Notgroschen zuerst, dann mit einem kleinen Dauerauftrag in eine flexible 3a-Lösung (App, nicht Versicherung), Steuerabzug als netter Bonus und nicht als Hauptgrund. Und auf keinen Fall etwas wegsperren, das ich kurzfristig brauchen könnte. Schön, dass man hier so ehrlich über knappe Budgets reden kann.

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