Hausratversicherung kündigt nach zweitem Velodiebstahl - dürfen die das?

Sabrina W. 22.06.2026, 12:30 121 Aufrufe 10 Antworten
Sabrina W.
22.06.2026, 12:30

Ich bin gerade richtig wütend und brauche euren Rat. Mir wurde innert weniger Monate zum zweiten Mal mein Velo aus dem abgeschlossenen Veloraum im Mehrfamilienhaus gestohlen - beim ersten Mal ein normales Velo, jetzt mein E-Bike, zusammen gut 4500 Franken Schaden. Beide Male sauber gemeldet, Polizeirapport, alles korrekt abgewickelt.

Letzte Woche kam dann der Brief: Meine Hausratversicherung kündigt mir den Vertrag - und zwar den ganzen, nicht nur den Diebstahlteil. Begründung sinngemäss, ich sei ein zu hohes Risiko, weil die ausbezahlten Schäden die Prämien deutlich übersteigen. Ich falle fast vom Stuhl. Ich habe doch nichts falsch gemacht, ich wurde bestohlen, ich bin das Opfer.

Was mich am meisten nervt: Ich habe das Velo jedes Mal mit einem guten Schloss am fest verankerten Veloständer angeschlossen, im verschlossenen Raum. Mehr kann ich doch fast nicht machen. Und jetzt stehe ich da und finde womöglich gar keine neue Versicherung mehr, oder nur noch zu miesen Konditionen.

Meine Fragen an euch:

  • Darf eine Versicherung einfach so wegen zwei Schadenfällen den kompletten Hausratvertrag künden?
  • Habe ich eine Chance, gegen die Kündigung vorzugehen, oder bringt das nichts?
  • Nehme ich euch jemand auf, wenn man schon eine Kündigung wegen Diebstahl im Dossier hat - oder bin ich jetzt verbrannt?
  • Gibt es Anbieter, die in so einem Fall kulanter sind?
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10 Antworten

Lukas M.
45 Punkte

Das tut mir leid, Sabrina. Leider ist die Antwort auf deine erste Frage: ja, sie dürfen. Die meisten Hausratpolicen haben ein Kündigungsrecht im Schadenfall, und nach zwei Fällen innert kurzer Zeit ziehen viele das durch. Das ist juristisch sauber, auch wenn es sich extrem unfair anfühlt - du bist ja wirklich das Opfer und nicht der Täter.

Wichtig: Du musst die Kündigung nicht einfach hinnehmen im Sinne von aufgeben, aber dagegen Einsprache erheben bringt in der Regel wenig, weil es ihr gutes Recht ist. Konzentrier dich lieber sofort auf eine neue Lösung.

Patrick W.
40 Punkte

Ich arbeite in der Branche (nicht im Verkauf, eher im Backoffice) und kann dir sagen wie das intern läuft. Die Versicherer schauen auf die sogenannte Schadenquote: wenn die ausbezahlten Schäden deine Prämien um ein Vielfaches übersteigen, wirst du rot markiert. Bei einem Velo plus E-Bike kommst du schnell auf mehrere tausend Franken, und so viel Prämie zahlst du in Jahren nicht. Dann fällt die Kündigung quasi automatisch.

Kündigung des ganzen Vertrags statt nur des Diebstahlbausteins ist leider Standard, weil der Hausrat als Paket läuft. Persönlich gemeint ist da nichts.

Sandra K.
60 Punkte

@Sabrina mir ist genau das Gleiche passiert, einfach mit zwei normalen Velos hier in Bern. Nach dem zweiten Mal kam die Kündigung. Was bei mir geholfen hat: Ich bin zu einem anderen Anbieter gewechselt und habe einen höheren Selbstbehalt beim Diebstahl ausserhalb der Wohnung akzeptiert. Damit war ich wieder versicherbar, einfach mit schlechteren Konditionen. Ärgerlich, aber so bleibst du wenigstens geschützt.

René M.
75 Punkte

Ehrlich gesagt verstehe ich beide Seiten. Eine Versicherung ist ein Risikopool, und wenn jemand vier Velos in kurzer Zeit verliert, zahlen das am Ende alle anderen mit. Ich will dir nicht zu nahe treten, aber irgendwann ist es legitim, dass ein Versicherer sagt: das Risiko an diesem Standort ist uns zu hoch. Das ist nichts Persönliches, das ist Mathematik.

Sabrina W.
42 Punkte

@René ich verstehe das Argument ja, aber es waren zwei Diebstähle bei mir, nicht vier. Und ich habe wirklich alles gemacht was man tun kann - gutes Schloss, verankerter Ständer, abgeschlossener Raum. Wenn selbst dann gekündigt wird, fühlt man sich schon etwas im Stich gelassen. Danke aber an alle für die ehrlichen Einschätzungen, das hilft mir die Sache nüchterner zu sehen.

Eva F.
38 Punkte

Konkreter Tipp fürs Weitersuchen: Geh nicht direkt zum nächsten grossen Namen, sondern vergleich zuerst auf comparis.ch und ruf dann zwei, drei Gesellschaften direkt an und schilder die Situation ehrlich. Die Mobiliar und die Helvetia waren bei Bekannten in ähnlichen Fällen relativ kulant. Die Zurich wendet eine Kündigung angeblich nur als letzte Option an, und bei der Axa wird der Vertrag vor allem dann überprüft, wenn mehrmals ein gleichartiger Schaden gemeldet wird. Heisst: ehrlich sein, aber gut auswählen wem du es erzählst.

Andreas M.
67 Punkte

@Sabrina musst du bei einem Neuantrag eigentlich angeben, dass dir vorher gekündigt wurde? Soweit ich weiss fragen viele Anträge explizit danach, und wenn man das verschweigt riskiert man, dass im nächsten Schadenfall gar nicht gezahlt wird wegen Anzeigepflichtverletzung. Also lieber transparent bleiben, auch wenn es die Sache schwieriger macht.

Monika F.
65 Punkte

Stimmt was @Andreas sagt - verschweigen ist gefährlich. Aber zur Beruhigung: eine einzelne Kündigung macht dich nicht komplett unversicherbar. Es gibt genug Leute die nach so einem Fall wieder eine Police bekommen haben, einfach mit Selbstbehalt oder einer Diebstahl-Sublimite ausserhalb der Wohnung. Du bist nicht verbrannt, Sabrina, nur kurz im Pech.

Stefan H.
35 Punkte

Damit dir das künftig weniger passiert: lass dein Velo bzw. E-Bike codieren und trag es in ein Veloregister ein (zum Beispiel über SOSITY bzw. das Veloregister). Codierte Velos sind für Diebe deutlich unattraktiver und tauchen bei Kontrollen schneller wieder auf. Manche Versicherer sehen das sogar positiv bei der Risikobewertung. Kostet wenig und bringt einiges.

Karin H.
48 Punkte

Noch ein Gedanke zum Standort: vielleicht ist nicht primär deine Versicherung das Problem, sondern der Veloraum. Wenn dort innert Monaten zweimal eingebrochen wird, würde ich beim Vermieter bzw. der Verwaltung Druck machen - bessere Tür, Kamera, oder wenigstens ein anständiges Schliesssystem. Pro Velo fordert ja genau deshalb sichere, überwachte Abstellplätze. Hilft dir kurzfristig nicht bei der Police, aber langfristig ist das die eigentliche Ursache.

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