Lebensversicherung vorzeitig gekündigt und nur einen Bruchteil zurückbekommen – ist das normal?

Nicole G. 12.06.2026, 07:40 146 Aufrufe 10 Antworten
Nicole G.
12.06.2026, 07:40

Liebe Community, ich bin gerade ziemlich frustriert und brauche eure ehrliche Einschätzung. Ein guter Bekannter von mir hat sich 2015 eine gemischte Lebensversicherung in der dritten Säule andrehen lassen – damals von einer langjährigen Beraterin, der er voll vertraut hat. Das Ganze war als garantiertes Vorsorgeprodukt mit einer sogenannten Sicherheitsgarantie verkauft worden. Klang super, klang sicher, und genau das wollte er ja.

Jetzt, knapp neun Jahre später, hat er sich endlich mal die Zahlen genau angeschaut. Er hat in dieser Zeit fast 70'000 Franken einbezahlt. Und was steht heute auf dem Konto? Weniger als 30'000 Franken. Also mehr als die Hälfte ist einfach weg. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben und dachte, er hat sich verrechnet.

Wenn er jetzt aussteigen und den Vertrag auflösen würde, verliert er beim Rückkauf rund 40'000 Franken. Wenn er weiterzahlt bis zur Pensionierung, kommt er insgesamt auf etwa 250'000 Franken Einzahlung – und garantiert werden ihm gerade mal 180'000. Egal wie man es dreht, es fühlt sich an, als würde man systematisch Geld verlieren.

Er sagt selbst, er sei beim Unterschreiben jung und naiv gewesen und habe nie die vollständigen Berechnungen gesehen. Heute meint er, er hätte das Geld lieber als Steuern bezahlt, als es dieser Versicherung zu geben. Ich finde das schon heftig, ehrlich gesagt.

Meine Fragen an euch:

  • Ist so ein massiver Verlust beim Rückkaufswert wirklich normal, oder ist das ein besonders schlechter Vertrag?
  • Wo geht das ganze Geld eigentlich hin – sind das nur die Gebühren und Abschlusskosten?
  • Lohnt es sich, jetzt mit Verlust auszusteigen, oder ist Weiterzahlen das kleinere Übel?
  • Was wäre die bessere Alternative gewesen – einfach eine 3a-Lösung bei der Bank mit ETF?

Danke euch für jede Erfahrung und jeden Tipp. Ich will ihm helfen, eine vernünftige Entscheidung zu treffen.

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10 Antworten

René M.
75 Punkte

Leider ja, das ist bei diesen gemischten Lebensversicherungen völlig normal. In den ersten Jahren werden fast die kompletten Abschluss- und Vertriebskosten von deinen Prämien abgezogen. Deshalb ist der Rückkaufswert am Anfang so brutal tief. Das ist kein Einzelfall, das ist System.

Lukas M.
45 Punkte

Autsch. 40'000 Verlust beim Aussteigen tut richtig weh. Mein Beileid an deinen Bekannten.

Eva F.
38 Punkte

@Nicole das Problem ist die Vermischung von Sparen und Versicherung in einem einzigen Produkt. Die sogenannte Garantie schützt am Ende vor allem den Versicherer, nicht den Kunden. Bei diesen Verträgen steckt das Geld meistens in Obligationenzertifikaten mit minimaler oder im aktuellen Zinsumfeld sogar negativer Rendite, und obendrauf werden laufend Gebühren direkt vom Anlagewert abgezogen. Da bleibt für den Kunden kaum etwas übrig. Die Faustregel lautet nicht ohne Grund: Risiko und Sparen immer trennen. Eine reine Risiko-Todesfallversicherung kostet ein paar Franken im Monat, und das Sparen läuft separat über 3a bei der Bank mit ETF.

Patrick W.
40 Punkte

Genau das ist mir 2014 mit einem Vertrag bei einem grossen Versicherer fast gleich passiert. Ich habe nach sieben Jahren die Reissleine gezogen und mit Verlust gekündigt. Es hat extrem wehgetan, diese paar Tausend Franken abzuschreiben. Aber im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, weil ich seither in 3a-ETF einzahle und das Geld endlich wieder für mich arbeitet statt für die Versicherung.

Marco B.
55 Punkte

Schau mal auf comparis, da gibt es ganz gute Vergleiche dazu. Und lass dir die Berechnung unbedingt schriftlich geben, nicht nur mündlich.

Sabrina W.
42 Punkte

Ich arbeite selber in der Branche und sage es mal so offen wie möglich: Diese Sicherheitsgarantie-Produkte werden gerne verkauft, weil die Provision für den Vermittler sehr attraktiv ist. Der Kunde sieht die vollständige Modellrechnung mit allen Kosten oft gar nie. Was ihr beschreibt, also fast 70'000 rein und keine 30'000 drin nach neun Jahren, ist leider absolut im Rahmen dessen, was ich täglich sehe. Mein ehrlicher Rat: Verlangt eine Rückkaufswert-Aufstellung für die nächsten Jahre, dann seht ihr ab wann der Vertrag überhaupt wieder über den Einzahlungen liegt. Oft ist das erst kurz vor Schluss.

Claudia B.
70 Punkte

@Sabrina danke für die ehrlichen Worte aus der Branche. Das bestätigt leider genau das, was ich befürchtet habe.

Daniel S.
30 Punkte

Bei der Frage Aussteigen oder Weiterzahlen würde ich nicht emotional entscheiden. Die 40'000 sind weg, egal was er macht – das nennt man versunkene Kosten und sollte die Entscheidung nicht beeinflussen. Entscheidend ist nur: Was bringt mir das Geld ab heute am meisten? Wenn er jetzt aussteigt und die rund 30'000 plus die künftigen Prämien in einen breit gestreuten ETF über 3a steckt, holt er die Differenz über die nächsten 15 bis 20 Jahre realistisch wieder rein und mehr. Das Weiterzahlen in ein Produkt, das ihm bei 250'000 Einzahlung nur 180'000 garantiert, ist mathematisch schwer zu rechtfertigen.

Laura B.
44 Punkte

So eine ähnliche Geschichte habe ich im Bekanntenkreis auch. Schwiegervater hatte was bei Swiss Life, am Ende kam viel weniger raus als gedacht. Versicherung und Sparen trennen, das predige ich seither allen in der Familie.

Nicole G.
50 Punkte

Vielen Dank an alle, das hilft enorm. Ich fasse mal zusammen, was ich mitnehme: Erstens, der Verlust ist leider typisch für dieses Produkt und kein Versehen. Zweitens, die versunkenen 40'000 sollten die Entscheidung nicht treiben, sondern nur die Frage, was das Geld ab jetzt bringt. Drittens, eine Rückkaufswert-Aufstellung für die nächsten Jahre verlangen und dann nüchtern rechnen. Ich werde mit ihm zusammen eine unabhängige Beratung suchen und parallel eine 3a-ETF-Lösung bei der Bank anschauen. Melde mich, wenn wir entschieden haben.

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