Fingierter Unfall: einer wollte 18'750 Franken erschwindeln – und wir zahlen die Prämien

Thomas R. 05.07.2026, 18:20 112 Aufrufe 10 Antworten
Thomas R.
05.07.2026, 18:20

Ich muss das mal loswerden, weil es mich ehrlich gesagt richtig aufregt. Da hat doch tatsächlich jemand zusammen mit zwei Bekannten einen kompletten Unfall erfunden – angeblich sei ein Auto auf die Gegenfahrbahn geraten und habe seinen Wagen seitlich touchiert, der sei dann ausgewichen und gegen eine Mauer geprallt. Klingt nach einem ganz normalen Schadenfall, oder? War aber alles inszeniert.

Das Ziel: stolze 18'750 Franken von der Versicherung kassieren. Das Lustige (eigentlich Traurige) daran: ein grosser Teil der angeblichen Schäden war in Wahrheit ein alter Parkschaden, dessen Reparatur gerade mal 2028 Franken gekostet hätte. Die Versicherung hat genauer hingeschaut, die Unstimmigkeiten erkannt und nichts ausbezahlt. Der Mann wurde wegen versuchtem Betrug verurteilt – Geldstrafe von 2550 Franken plus noch eine Busse von 850 Franken obendrauf.

Was mich daran wirklich stört: solche Leute denken, sie ziehen einfach «die Versicherung» über den Tisch, als wäre das ein anonymer Geldautomat. Aber am Ende sind wir das, die ehrlichen Prämienzahler. Jeder Franken, den ein Betrüger erschwindelt, holen sich die Gesellschaften über höhere Prämien wieder rein. Und das ärgert mich, weil ich brav jeden Monat einzahle und nie auch nur einen Kratzer falsch angegeben habe.

Ich frage mich einfach:

  • Wie verbreitet ist so etwas tatsächlich? Sind das Einzelfälle oder die Spitze des Eisbergs?
  • Was machen die Versicherer wie AXA, Mobiliar oder Zurich konkret dagegen?
  • Ärgert euch das auch so – oder bin ich da zu empfindlich?
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10 Antworten

Andrea Z.
55 Punkte

Nein Markus, du bist nicht zu empfindlich. Mich regt das genauso auf. Diese Mentalität von «die Versicherung kann ja zahlen» ist einfach so verbreitet. Dabei ist klar: das ist kein Opferloses Delikt, das zahlen am Schluss alle anderen über die Prämie mit.

Stefan H.
35 Punkte

Ich arbeite seit Jahren in der Schadenabteilung (nicht bei einer der grossen, aber spielt keine Rolle) und kann dir sagen: das ist leider absolut kein Einzelfall. Der Klassiker, den wir am häufigsten sehen, ist genau dieser: ein Kollisionsschaden wird als Schaden an einem parkierten Fahrzeug gemeldet. Warum? Weil man so den höheren Selbstbehalt umgehen will. Genau das hat eine AXA-Sprecherin neulich auch öffentlich gesagt.

Und noch häufiger als der komplett erfundene Unfall ist die «kleine» Variante: bei einem echten Schaden werden einfach alte Vorschäden mit deklariert. Der Parkschaden von vor zwei Jahren? Kommt einfach mit auf die Rechnung. Viele finden das nicht mal richtig kriminell, dabei ist es genau das.

Sandra K.
60 Punkte

18'750 für einen Parkschaden von 2028 Franken... die Frechheit muss man erstmal haben. Gut, dass die Versicherung das gemerkt hat.

René M.
75 Punkte

@Stefan danke für den Einblick von innen, sehr interessant. Frage an dich: wie merkt ihr das überhaupt? Sitzt da jemand und vergleicht jeden Fall von Hand, oder läuft das automatisch?

Stefan H.
35 Punkte

@René beides. Bei der AXA zum Beispiel gibt es eine eigene Fachstelle mit rund 40 Leuten, die nichts anderes machen als verdächtige Meldungen analysieren. Dazu kommen automatisierte Prüfsysteme, die Auffälligkeiten markieren – etwa wenn Schäden nicht zum geschilderten Hergang passen oder wenn ein Fahrzeug verdächtig oft Schäden meldet. Der Mensch schaut dann die markierten Fälle genauer an. Die Kombination ist ziemlich effektiv geworden.

Patrick W.
40 Punkte

Was viele unterschätzen: die Zahlen sind enorm. Allein eine einzige grosse Gesellschaft untersucht im Jahr mehrere Tausend Verdachtsfälle – ich habe von rund 5500 schweizweit für letztes Jahr gelesen. Und durch das Aufdecken haben sie über 50 Millionen Franken eingespart. 50 Millionen! Das ist Geld, das sonst still über alle Prämien verteilt würde. Insofern bin ich sogar froh, dass die so genau hinschauen.

Karin H.
48 Punkte

Ich sehe das zwiespältig. Klar ist Betrug Mist und gehört bestraft. Aber ich war auch mal auf der anderen Seite: nach einem echten Auffahrunfall hat mich die Versicherung wochenlang behandelt, als hätte ich was zu verbergen. Gutachter, Rückfragen, jedes Detail dreimal erklären. Am Ende war alles korrekt, aber das Gefühl, unter Generalverdacht zu stehen, obwohl man ehrlich ist, ist auch nicht schön. Die Betrüger machen es eben genau für die ehrlichen Leute schwieriger.

Andrea Z.
55 Punkte

@Karin das kann ich gut nachvollziehen. Genau das ist ja der Punkt – durch die Betrüger werden alle erstmal misstrauisch beäugt. Schade für die, die einfach nur ihren echten Schaden geregelt haben wollen.

Lukas M.
45 Punkte

Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Wenn ihr einen Schaden meldet, fotografiert alles sofort und ehrlich, auch alte Kratzer separat. Dann gibt es nachher keine Diskussion, was neu und was alt ist. Wer sauber dokumentiert, hat bei Rückfragen nie ein Problem. Die Probleme kriegen nur die, die tricksen wollen.

Laura B.
44 Punkte

Was mich am meisten erstaunt: er hat das mit zwei Bekannten zusammen gemacht und trotzdem ist es aufgeflogen. Drei Leute, abgesprochene Geschichte – und die Versicherung erkennt es trotzdem an den Schäden, die nicht zum Hergang passen. Das zeigt eigentlich ganz gut, dass die heute wirklich genau hinschauen. Und 2550 Franken Strafe plus Busse für nichts ausbezahlt bekommen... hat sich ja sowas von nicht gelohnt.

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