Ich habe diese Woche die Jahreszahlen von einem der grossen Versicherer angeschaut und bin etwas zwiegespalten. Der Konzern hat einen Reingewinn von 6,8 Mrd. Dollar ausgewiesen, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Betriebsgewinn kletterte um 14 Prozent auf 8,86 Mrd. Das ist ein neuer Rekord, nachdem schon das Vorjahr ein Rekordjahr war.
Und jetzt kommt der Punkt, der mich nachdenklich macht: Die Aktionäre sollen an der Generalversammlung eine Dividende von 30 Franken pro Aktie erhalten – das sind 2 Franken mehr als bisher. Gleichzeitig lese ich im selben Bericht, dass ein wesentlicher Treiber dieser Gewinne die Prämienerhöhungen waren. Konkret werden die massiven Preiserhöhungen bei den Autoversicherungen ausdrücklich erwähnt.
Da stellt sich mir als Kunde schon die Frage: Zahlen wir mit unseren steigenden Prämien letztlich die Rekorddividenden der Aktionäre? Ich verstehe, dass ein Versicherer Gewinn machen muss und Reserven braucht. Aber die Versicherungsmarge in der Schadenversicherung ist von 5,8 auf 7,4 Prozent gestiegen, die Combined Ratio hat sich auf 92,6 Prozent verbessert. Das heisst, von jedem eingenommenen Prämienfranken bleiben mehr als sieben Rappen hängen, Tendenz steigend.
Mir ist bewusst, dass das eine differenzierte Geschichte ist. Viele von uns sind über die Pensionskasse indirekt an solchen Konzernen beteiligt, und die Aktie ist nicht zuletzt deshalb so beliebt. Trotzdem beschäftigt mich:
- Bezahlen wir Kunden mit überhöhten Prämien direkt die Dividende und die Aktienkursgewinne?
- Oder ist das einfach ein gut geführtes Unternehmen, das man nicht für seinen Erfolg bestrafen sollte?
- Wie viel von so einem Gewinn ist eigentlich Wetterglück (tiefe Naturkatastrophenlast) und wie viel echte Leistung?
- Profitieren wir über Pensionskassen und 3a-Fonds am Ende selber genug, um die hohen Prämien wettzumachen?